Tortour 2011 PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 13. August 2011 um 13:20 Uhr

 

 

Seit Freitagmorgen früh läuft die «Tortour», das längste mehrtägige Non-Stop-Radrennen der Schweiz. 80 Teams und 39 Solofahrerinnen und -fahrer pedalen Tag und Nacht rund um die Schweiz. Die Strecke ist mit 1000 Kilometern und 15’000 Höhenmetern eine unglaubliche Herausforderung. Für den Veloclub Pfäffikon am Start ist auch der 44-jährige Wollerauer Dani Bugmann. Das Interview aus dem Höfner gibt einen Einblick in seine Motivation und Vorbereitung.

Wie bist du zum Radsport gekommen?

 

Wegen gesundheitlicher Probleme gab es für mich nicht viele Alternativen und da habe ich mich vor 17 Jahren für den Radsport entschieden. Inzwischen ist daraus eine grosse Leidenschaft geworden.


Wann hat dich der Langdistanz-Virus gepackt?

Ein bestimmtes Datum oder einen bestimmten Anlass gibt es nicht. Das hat sich seit 2003 kontinuierlich entwickelt. 2009 habe ich dann das erste Mal am Race Across The Alps – 530 Kilometer, 13 Pässe, 13’800 Höhenmeter – teilgenommen. Leider musste ich nach 380 Kilometern aufgeben. Ein Jahr später hat es dann aber geklappt.


Der Name ist Programm. Die «Tortour» führt über 1000 Kilometer und 15’000 Höhenmeter rund um die Schweiz. Wie bereitet man sich auf eine solche Distanz vor?

Neben den Trainingsstunden auf dem Rad kommt bei einem solchen Vorhaben einer sehr guten Crew eine enorm grosse Bedeutung zu. Natürlich fahre ich die 1000 Kilometer auf dem Velo und nicht die Crew, aber ohne sie geht das nicht. Dies bedeutet, dass viel Zeit von verschiedenen Personen in die ganze Logistik gesteckt werden muss. Begonnen habe ich mit dem Vorhaben vor etwa zwölf Monaten nach dem positiven Erlebnis am Race Across The Alps.

Wie organisierst du die vielen Trainingsstunden neben Familie und Beruf?

Einen grossen Teil meiner Zeit auf dem Rennrad verbringe ich auf dem Weg zur Arbeit nach Zürich und dann auf dem Heimweg nach Wollerau. Dazu kommen Trainingseinheiten am Wochenende. Das geht aber nur, weil ich eine sehr verständnisvolle Familie habe und einen Teil des Trainings auch mit meinem Sohn Sandro machen kann.

Trainierst du nach Gefühl oder nach einem strikten Trainingsplan?

Ich führe ein Logbuch über meine Zeit auf dem Velo, habe aber keinen Trainingsplan und will das auch nicht. Velofahren soll für mich in erster Linie Spass, Erholung und Verkehrsmittel sein und da möchte ich mich nicht einem Trainingsplan beugen.

Was ist die Faszination an langen Strecken?

Die eigenen Grenzen erkunden zu wollen, ist bestimmt ein Faktor. Andere Elemente als einfach nur schnell Velo zu fahren, spielen eine grosse Rolle. So zum Beispiel die ganze Logistik, auf den Körper hören, die Ernährung, die Fahrten in der dunkeln Nacht usw.

Die eigenen Grenzen zu spüren, ist ein gutes Thema. Verschieben sich diese mit den Jahren?

Hier gibt es zwei gegenläufige Bewegungen. Einerseits strebe ich immer nach Höherem. Während zu Beginn vier Pässe und 220 Kilometer Angst einflössten, ist das irgendwann nicht mehr beunruhigend und der Drang nach längeren beziehungsweise grösseren Herausforderungen gross. Andererseits darf man nicht verkennen, dass man älter wird. Im Ausdauersport ist das weniger tragisch, aber es ist eine Tatsache, die es zu akzeptieren gilt.

Welches Ziel hast du dir für die Tortour vorgenommen?

Ich will gesund in Neuhausen vor Kontrollschluss ankommen und mit meiner Crew eine gute Zeit haben. Schön wäre es, wenn dies innert 50 Stunden machbar wäre.

An Schlaf wird in diesen 50 Stunden nicht gross zu denken sein. Wie motivert man sich, wenn man eigentlich lieber in ein Bett sinken möchte als noch einen weiteren Pass in Angriff zu nehmen?

Wenn man so lange auf ein Ziel hinarbeitet, dann wird vieles verdrängt – auch der Wunsch sich ins Bett zu legen.

Gibt es einen Teil der Strecke vor dem du grossen Respekt hast, Kilometer auf welche du dich besonders freust?

Ich habe vor der ganzen Strecke sehr grossen Respekt! Natürlich sind die ersten Kilometer einfach(er) und die Pässe – vor allem der Nufenen – grosse Hindernisse. Die Abfahrten sind gerade in der Dunkelheit nicht ungefährlich, hinzu kommt die Müdigkeit. Am meisten freue ich mich auf die letzten 15 Kilometer. Das Ziel ist dann so nahe und das beflügelt unheimlich!

Das Fahren in der Nacht kann ich mir einerseits von der Stille her als ein eindrückliches Erlebnis vorstellen, anderseits muss man wohl auch dauernd gegen den Schlaf kämpfen.

Ja, das ist ein grosses Problem und dies lässt sich auch nur schwer trainieren, beziehungsweise simulieren. Ich erwarte, dass nach etwa 30 Stunden der Kampf gegen die Müdigkeit beginnt – trotz Koffein. Ich werde mich dann auch bestimmt kurz hinlegen und ein bisschen schlafen, auch wenn es nur 20 Minuten sein werden.

Wirst du dein Velo speziell ausrüsten, zum Beispiel mit einem weichen Sattel oder einem gepolstertem Lenker?

Ich vertraue auf Trek und die Einstellungen durch den lokalen Velohändler Velo-Shop Schaltwerk. Der Sattel bleibt wie immer der sehr harte Carbon-Sattel, aber in Kombination mit guten Velohosen ist das kein Problem. Der Lenker ist gepolstert, aber nicht speziell. Für die Passfahrten werde ich ein sehr leichtes Velo verwenden, für die Kilometer in der Ebene ein Triathlon-Velo mit allerdings komfortabler Sitzposition.

Und wie sieht das mit der Ernährung aus?

In diesem Bereich kann viel geplant, aber die Reaktion des Körpers kann nur schwierig abgeschätzt werden. Das Wetter und die Temperaturen werden auch wichtige Einflussfaktoren sein. Der Körper braucht sehr viel Energie, um diese Leistung zu vollbringen, kann aber nur eine bestimmte Nahrungsmenge aufnehmen und dann auch verarbeiten. Ich habe vor pro Stunde durchschnittlich knapp einen Liter Flüssigkeit aufzunehmen.

Kannst du auf Sponsoren zählen?

Glücklicherweise kann ich auf eine Reihe von Sponsoren zählen – trotz vieler Absagen. Aber ein solches Vorhaben bedingt ein grosses Budget und ohne die Freiwilligkeit meiner Crew und dem Material-Sponsoring wäre es für mich fast nicht finanzierbar. Eines ist klar: Das Ganze ist Hobby und deshalb sind es vermutlich auch eher Gönner denn Sponsoren.

Betreibst du neben dem Velofahren eigentlich noch andere Sportarten – als Ausgleich sozusagen?

Aufgrund von Gelenkproblemen ist die Palette an Sportarten leider etwas eingeschränkt, wobei ich im Winter regelmässig auf die Skier stehe und neben dem Rennvelo fahren auch gerne bike.

Welche Erlebnisse auf dem Velo gehören zu deinen schönsten?

Neben dem erfolgreichen Absolvieren von diversen Pässe-Touren sind es bestimmt die Ausfahrten mit meinen Kindern über Alpenpässe. Unvergesslich das Erklimmen des Stilfserjochs mit Sandro als er 12 war und des Lukmaniers mit Sabrina (9) vor ein paar Wochen.

Wie sehen deine Vorbereitungen in der letzten Woche vor dem Rennen aus?

Ich werde nur ein paar kurze, lockere Ausfahrten machen.

Und nach dem Rennen. Beine hochlagern oder ein lockeres Trainingsfährtchen?

Das hängt wohl sehr von der Zielerreichung ab. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Race Across The Alps 2010 gab es am Tag danach eine lockere Ausfahrt in der Linth-Ebene, garantiert ohne Pass.

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 14. August 2011 um 11:29 Uhr
 
 

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